Sergei Prokofiev — Visions fugitives Op. 22 - I. Lentamente

Was für eine Wohltat nach all den „Donnerern“, die uns dieser Pianist mit der bezaubernden Wahl einer heiteren Schubert-Sonate – der in A-Dur, D 664 – bereitete. Das fast wolkenlose Allegro moderato wurde mit bezaubernder Freude und Unschuld gespielt. Das Andante hätte für meinen Geschmack etwas gefühlvoller sein können, aber ich bin auch ein bekennender Sentimentalist. Das abschließende sonnige und unkomplizierte Allegro ist ein herrlich lyrisches Lied – meine Güte, was für eine Erleichterung, nach all dem virtuosen Kraftspiel endlich wieder wunderbaren Schubert zu hören… so wichtig das in heutigen Wettbewerben auch zu sein scheint.

Er schloss mit einem dramatischen Kontrast: einer großartigen Interpretation der Brahms’schen Paganini-Variationen. Dies war eine wahrhaft atemberaubende Darbietung in Bezug auf Ton, Klangfülle, Kraft und Charaktervielfalt innerhalb der verschiedenen Variationen. Wirklich eine fabelhafte Interpretation eines der schwierigsten Werke der Klavierliteratur – und eine der besten, die ich seit vielen Jahren gehört habe. Sein Gefühl für Distanzen auf der Klaviatur war unglaublich präzise, sodass er selbst bei den wildesten und furchteinflößendsten Sprüngen punktgenau auf den richtigen Ton oder die richtigen Töne traf. Das verlieh dem Anschlag eine Schärfe und Unmittelbarkeit, die im Klang geradezu überwältigend war. Auch Shura Cherkassky übte aus genau diesem Grund Sprünge in der Stille. Bei massiven Akkorden war jeder Finger perfekt auf die harmonische Balance gewichtet. Ein wahrer Individualist mit außergewöhnlichem Talent – und ganz sicher ein heißer Kandidat auf einen Preis.